nachtwache. seetag II

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starwalk. __ Mittlerweile ist es 01:07 Uhr. Um Mitternacht habe ich Michael von seiner Wache abgelöst und die brandheißen News erfahren. Keine Veränderung, gleicher Wind, gleicher Kurs, alles gleich, wie fast den ganzen Tag schon. Also sitze ich nun bei ruhiger See auf Nachtwache des zweiten Seetages und schaue wieder in die Ferne sowie in die Sterne. Auch heute kann ich euch wieder ein Stück mitnehmen, hier auf Wache und euch ein bisschen teilhaben lassen, denn es ist ruhig hier draußen. — Wir haben kaum Wind. Wobei das nicht ganz richtig ist, ein bisschen Wind ist schon da, aber nicht ganz aus der für uns optimalen Richtung. Larabeck treibt mit 3 Knoten langsam vorwärts, Kurs 190 Grad, dem Süden entgegen. — Heute ist die Nacht noch dunkler. Die Sterne dafür noch heller und auch Jupiter, der sich rechts von mir zeigt, spiegelt seinen zarten Schein auf die Wasseroberfläche, das habe ich so vorher auch noch nie gesehen. — Um 04:26 Uhr wird der Mond aufgehen – die Sichel wird noch zarter sein als gestern früh. Eine Stunde später wird die Sonne ihm folgen. Vorerst bleibt es aber dunkel und auch heute sind bereits die ersten Sterne in meinem Blickfeld verglüht. Es ist 01:32 Uh, ich habe schon jetzt mindestens drei gesehen. Und dann waren da noch andere Lichterscheinungen, bei denen ich mir nicht sicher bin, was das gewesen sein soll. — Wenn man erstmal beginnt, sich stundenlang mit dem Sternenhimmel zu befassen, fliegen einem schon auch kuriose Dinge über den Weg, Ich kenne mich viel zu wenig aus, als das ich mit Gewissheit sagen könnte, dass seien alles Satelliten. Glauben kann ich es jedenfalls nicht. Mit ziemlicher Sicherheit sind es aber keine Flugzeuge. Zugegeben bin ich immer unfassbar gespannt und aufgeregt, was mich während so einer Sternenzeit wieder erwartet und was es da noch alles rauszufinden gibt. Einmal konnte ich eine dieser crazy Lichterscheinungen fotografieren, zum Glück, wenn ich mich selbst davon erzählen höre, würde ich nämlich denken, ich wäre verrückt. — Zurück zum Jetzt und Hier. Ich genieße es hier draußen. Lausche den Klängen des Ozeans. Und den Geräuschen des Windes in den Segeln. Manchmal knarzt es, manchmal klappert oder klackert es. All diese Geräusche und überhaupt all das hier ist mir mittlerweile so vertraut. Das Plätschern, das Rauschen, die salzige Luft, die Sterne, das Schaukeln und Schwanken. Das Bordleben. Ja, ich gewöhne mich daran. Vielleicht auch an die Bewegung und Veränderung in meinem Leben. — Apropos Veränderung. Jupiter ist mittlerweile fast nicht mehr zu sehen und auch sein Schein ist verschwunden. Erst verdeckten ihn ein paar Wolken und jetzt wird ihn der Horizont verschlucken. Er ist nur noch ein winzig kleiner Punkt, dort hinten in der Ferne. Und jetzt es ist wirklich zappenduster. Um 02:06 Uhr.
Wieder checke ich alle 15 Minuten die Lage. Es bleibt ruhig, auch um uns herum. Kein Schiff weit und breit. Wir haben dieses Stück Welt gefühlt ganz für uns alleine. Zumindest über Wasser und unter den Sternen. Schöne Zwischenwelt.
Es ziehen ein paar mehr Wolken auf, und ich merke, nach „zappenduster“ kommt „zappenzappenduster“. Wir segeln jetzt mit nur 2,8 Knoten durch die Nacht. Die Bewegungen der Wellen, wiegen Larabeck hin und her. Die Bewegung lässt ab und an das Segel schlagen. Aber ansonsten halten wir Kurs, langsam zwar, aber auch langsam kommen wir dem Ziel näher. Ich genieße diese ruhige Wache, in der ich gucken und auch ein bisschen Schreiben kann. — Es ist 03:11 Uhr – mein Tee neigt sich, wie meine Wache, langsam dem Ende zu. Langsam aber sicher überkommt mich auch die Müdigkeit. Spüre, dass ich träge werde und die Minuten immer länger. — Habe aber noch einige Sternschnuppen gesehen, eine schöner als die andere, wieder viele Wünsche für uns alle. Ja, sie sind und bleiben einfach magisch, diese Momente wenn ein Stern verglüht. Keine Frage. — Es ist 03:37 Uhr. In knapp 20 Minuten wird Jasmin mich ablösen kommen und ich denke, ich werde auch heute an Oberdeck schlafen und den Sonnenaufgang mitnehmen, oder ihn verpassen, bei gutem Schlaf. Noch ist die Temperatur angenehm warm, also genieße ich sie so lange, wie möglich, meine Zeiten an Oberdeck. Ich sage schon mal „Gute Nacht, Welt. Gute Nacht, Nacht“. — Bis bald.

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