nachtwache. seetag IV

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— 01:16 Uhr zappenzappenduster. — Jegliche Versuche unter Segeln weiter fahren zu können, scheiterten. Der Wind stoppte. Larabeck auch. Und sie drehte. Nächste Runde rückwärts oder so ähnlich. Der Autopilot streikte. Ich stand etwas verlassen da. Bitte, bitte, das muss doch ohne Motor gehen. Entschied mich dann aber doch, Michael noch einmal abzufangen, der nach einer Dusche gerade auf Koje wollte. Wir versuchten Larabeck zu drehen, doch ohne Druck im Segel und ohne Fahrt voraus geht es nun mal nicht, oder nur sehr, sehr schwer. Das war der Moment in dem der Motor wieder an musste. — Nach einem wirklich abwechslungsreichen Seetag mit ordentlichen Segeleinheiten bei 20 Knoten Wind, heftigem Regen und chaotischer See soll es vielleicht einfach so sein. — Ein paar Stunden zuvor. * Kurz nach dem Mittagessen, es gab Thunfisch vom Grill mit frisch gebackenem Knoblauchbrot, ich war gerade noch beim Abwasch, Jasmin arbeitete unter Deck am PC, hörten wir Michael vom Centercockpit aus sagen: “ha, ha, and here we have a really weird and interesting situation” * Mit einem Mal verdunkelte sich der Himmel über uns, wir waren plötzlich mitten in einem Unwetter. Es muss gerade begonnen haben. Hinter uns blauer Himmel, Sonnenschein, um uns alles dunkel, hohe Wellen, Schaumkronen. Der plötzliche Wind drückt uns zurück. Ab da begann unsere Manöverfahrt. Halsen, Wenden. Segel reffen, das heißt, die Segelfläche verkleinern und bei all dem ordentlich nass werden. Die Temperaturen gingen dabei deutlich runter. Langsam heißt es wohl Abschied nehmen vom konstant warmen Fijiwetter. Aber noch ist es nicht so weit. Nach wie vor ist es ein Genuss, pitschnass mittschiffs zu stehen, eingepickt in die Sicherheitsleine, das Schwanken zu spüren und dem Bug dabei zuzuschauen, wie er tief in die Wellen eintaucht. Diese schlagen über die Reling, Larabeck und ihre Crew fühlen sich wohl. 3,5 Stunden später gönnen wir uns eine Verschnaufpause. Mittlerweile wieder mit Sonnenschein bei konstanterem Wind. Ich muss schmunzeln. Nach dem Mittagessen habe ich noch einen Rasmusspruch gebracht und so mit ihm gedealt, allerdings fiel mir der genaue Wortlaut nicht ein… Man sollte die Götter nicht erzürnen. Das war wirklich ein abgefahrenes Schauspiel was sich da auftat und wir mitten drin. — abendbrot. im. abendrot. — Zumindest war es bisher immer zu den Mahlzeiten so ruhig, dass wir gemeinsam im Centercockpit sitzen und dinnieren konnten, so auch jetzt wieder. Zeit fürs Abendbrot. Und dann ist auch schon Zeit für mich, über meine Nachtruhe nachzudenken, die Sonne geht langsam unter, noch ein ganz klein bisschen gucken, dann duschen, dann schlafen, ehe es um kurz vor Mitternacht wieder raus geht. — Es ist 02:16 Uhr. Wir fahren nach wie vor unter Motor gegen den leichten Wind an. Und das bei ordentlich Wellengang. Hier oben ist das ganz schön, unten schon eher etwas unkomfortabler. Glücklich ist, wer einen guten Schlaf hat. Der Wind heute macht mich fertig. Immer, wenn ich denke ich könnte den Motor vielleicht ausstellen und mich dann im Leerlauf etwas heran taste – dreht er oder ist weg oder was auch immer. Ich falle so schnell auf unter 1 Knoten, da brauche ich nicht mal daran denken, den Motor auszuschalten. Denn wenn ich es täte würden wir uns im Kreis drehen. Wie es mir zu Beginn der Wache passiert ist. Irgendwie muss ich da gerade an den Ausschnitt aus Fluch der Karibik denken „Ihr seid der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe, Sparrow!“ „Aber, ihr habt von mir gehört!“ Es ist so frustrierend nicht zu segeln, aber wenn ich mich jetzt noch einmal im Kreis drehe, weil der Wind mich verlässt, bekomme ich nen Vogel. Also bleibt die Maschine an. * Es ist schon 2:53. Gleich beginnt die letzte Stunde. Ende der Teatime. Ich habe Muskelkater und bin mittlerweile etwas müde. Um uns herum ist alles ruhig. Kein Schiff weit und breit. Gefühlt seit vielen, vielen Tagen. Nur, so lange sind wir ja noch gar nicht unterwegs. Also seit etwa zwei Tagen haben wir keine andere Schiffsichtung mehr verzeichnet. Die Zeit verschwimmt hier draußen etwas. Kann nicht glauben dass wir schon den 4. Seetag hinter uns haben. Und es ist nach wie vor so schön hier draußen. Mitten im Irgendwo, mit Kurs auf Neuseeland. — 03:17 Uhr. Countdown – habe es immer noch nicht geschafft, den Motor auszumachen. Beobachte gespannt weiter und starre in die Segelfläche, Wind ist definitiv da, meines Erachtens nach auch ausreichend, da muss doch was gehen. Vermutlich muss ich einfach die Genua dazu nehmen. Ich entscheide mich um 03:30 Uhr Jasmin ein bisschen vor ihrem Wachruf zu wecken und sie zur moralischen Unterstützung hinzuzuziehen. — 03:40 Uhr. Jasmin steht nun neben mir im Cockpit Deck und wir starren beide in das Segel. Sind uns nicht ganz sicher. Ich sage, es muss gehen! Ja, und als Wachführer darf ich diese Entscheidung treffen und das mache ich jetzt. — 03:45 Uhr – Entscheidung ist gefallen: Das Großsegel wird ordentlich gefiert (geöffnet) die Genua gesetzt. Los geht’s. Motor Geschwindigkeit reduzieren, neutral stellen, Groß fieren, sowie Genua ausrollen und kurbeln was das Zeug hält. Die Segel sind gebläht. Unsere Anzeige sagt Wind 5,8 Knoten, Geschwindigkeit über Grund 5,8 Knoten. Sieht so aus, als hätte das funktioniert. Wir segeln. Und wie! * Vergesst das mit Sparrow! * Vier Minuten vor Wachablösung ist der Motor aus. Welch eine Wohltat. Bin überglücklich. Auch, weil diese dunkle Nacht mir dennoch ein paar Sterne und Sternschnuppen schenkte sowie – eine absolut richtige Entscheidung um wieder Segeln zu können. — keep. on. sailing. — Es ist 04:22 Uhr. Im Osten wird es langsam hell. Ein Silberstreif am Horizont. Der Tag beginnt. Verlasse nun langsam das Oberdeck bei einer Fahrt unter Segeln mit 5,2 Knoten. Jasmin wird uns nun sicher in den Tag bringen und die nächsten 3,5 Stunden auf uns, Larabeck und die Segelstellung aufpassen. Ahoi. — Ab auf Koje. —

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